Vëlo

Ich warte schon auf den Kommentar der Kritiker:

Pah! In der Steinzeit gab’s überhaupt kein Fahrrad!

Stimmt! Ich bin, trotz Paleo oder Primal Lebensstil, auch gar nicht gegen viele unserer technischen Errungenschaften. Ganz im Gegenteil! Es sei denn … Ja, es sei denn sie sind total gegen unsere Natur und somit auf Dauer ungesund – und das auch noch ohne einen nennenswerten Vorteil zu verschaffen. Und ich weiss, dass ich hier auf der Seite bereits erwähnt habe, dass man nicht im Lendenschurz durch die Strasse laufen muss um nach der Paleo oder Primal Lebensart, zu leben. Das Fahrrad darf im heutigen Paleo Lifestyle also getrost eine Rolle spielen!

Allerdings war ich noch immer davon überzeugt, dass man so viele Dinge wie möglich mit der eigenen Muskelkraft erledigen sollte.

Muskelkraft

Was unter anderem auch bedeutet, dass man kürzere Strecken zu Fuss oder – warum denn nicht – mit dem Fahrrad zurücklegt. Sie erinnern sich sicher an die so genannten „Primal Regeln“ auf dieser Seite. Dann wissen Sie sicher noch, dass es bei dieser Lebensart darum geht, auf industriell oder genetisch veränderte Lebensmittel zu verzichten. Die Ernährung macht immerhin 80% unserer Gesundheit, Fitness und Gewichtsregulierung aus. Die Bedeutung eines gesunden Schlafs, eines vernünftigen Umgangs mit dem Sonnenlicht und die der Bewegung darf dabei natürlich nicht unterschätzt werden.

Heute geht es also um die Bewegung

Weniger ist mehr!

Wenn Sie ähnlich aufgewachsen sind wie ich, dann Sie trifft diese Aussage vielleicht auch etwas überraschend. Als mein Coach mir das im Jahr 2012 im Erstgespräch (und unzähligen Anschlussgesprächen, bis ich es endlich glaubte) sagte, dachte ich auch erst: „der spinnt!“ (sorry Artur 🙂 ). Sie sind also nicht alleine! Mein Traininsplan belief sich auf 3 Einheiten pro Woche und diese dauerten jeweils auch nur 30 Minuten. 1,5 Stunden wöchentlich und nicht täglich??? Ich war panisch und dachte, damit werde ich meine Ziele nie erreichen. Auch ich war seit Jahren so konditionniert dass ich davon überzeugt war, ich müsse 1-2 Stunden täglich trainieren – am besten irgend eine Ausdauersportart, um gesund, fit und schlank zu sein. Heute – mit dem ganzen Studium rund um diese Themen – weiss ich definitiv, dass diese Einstellung sehr kontraproduktiv ist.

Regelmässige, chronische Bewegungsabläufe, wie – in meinem Fall – das tägliche Joggen (immer dasselbe Tempo, jeden Tag) steigert den Kortisol (=Stressormon)-Haushalt im Körper. Ein kurzfristiger Kortisol-Anstieg auf Grund einer Kampf oder Flucht Situation ist zwar gesund, normal und sogar wünschenswert. Ein chronisch erhöhter Pegel ist hingegen schlecht: Da der Körper konstant auf dieselbe Art und Weise belastet wird, bekommt er keine Zeit, die betroffenen Muskelgruppen zu regenerieren und reagiert mit Protest … erst sanft und dann kommen die Verletzungen und die Müdigkeit. Ich habe jahrelang in diesem Muster verbracht: tägliches Joggen bis zum Umfallen, im Jahr 2004 dann ein Marathon, von dem ich mich aber nur sehr schleppend erholte. Und warum? Weil ich nichts für die Abwechslung, bzw. für die Regeneration getan hatte. Ich dachte, wer rastet, der rostet und gönnte mir keine Regenerationspause oder Variationen.

Und heute?

Heute absolviere ich immer noch „nur“ 2-3 kurze aber intensive Krafttrainingseinheiten pro Woche. Einmal wöchentlich gibts Intervalle und ansonsten … bewege ich mich so oft wie möglich selbst, aber ohne mich dabei konstant zu überanstrengen: also zu Fuss oder – neuerdings – auch mit dem Fahrrad. 

Ich lebe also, so gut wie es heute möglich ist, nach den 10 Primal Lebensregeln. Eine davon ist ja auch:

Der Mensch ist nicht dafür gemacht, ständig unter Strom zu stehen.

Denken Sie sich in Ihrer Phantasie doch einfach mal um etwa 20.000 Jahre zurück und stellen sich Folgendes vor: es gibt keine Industrie, keine Autos, kein Telefon, keine Uhr. Es gibt noch nicht einmal Strassen oder Häuser. Auch Sonnenschutzmittel sind inexistent, genau so wie Verkehrsschilder oder Radarfallen. Sie leben in der freien Natur und es gibt keinerlei Verpflichtungen, mit der Ausnahme dass sie im Laufe des Tages irgend etwas Essbares finden sollten. Und so spazieren Sie konstant durch die Natur um Beeren, Nüsse, Samen, Wurzeln, Gemüse oder Früchte zu sammeln. Vielleicht haben Sie Glück und ergattern eine tierische Beute: entweder wurde es durch ein grösseres Raubtier vor Ihnen erlegt oder Sie haben es selbst getan. Ein solcher „Tagesablauf“ führte damals im Schnitt zu einer 17 Stunden Woche – weit weg von den 40 Stunden die wir heute in unseren Büros verbringen. Den Rest des Tages konnte man sich erholen, sonnen, spielen, Beziehungen pflegen … faulenzen. Schöne Vorstellung, oder?

Und was machen wir??? Wir hetzen von einem Termin zum anderen oder sitzen 8 Stunden auf einem Stuhl. Und das auch noch meistens nicht für uns selbst, sondern für unseren Arbeitgeber. Anschliessend hetzen wir (meist im Auto) in den Wald oder ins Fitness-studio um uns dort für 1-2 Stunden abzurackern, nur um unsere Energie, das zuckerinduzierte Übergewicht und unser schlechtes Gewissen loszuwerden.

Und weil es immer mehr Menschen gibt, die sich für diese Lebensart entscheiden, stehen auch immer mehr Autos auf unseren Strassen. Ja: stehen! Und die Fahrräder fahren daran vorbei.

Wie lange und wie oft standen Sie denn heute schon im Stau? Oder diese Woche? In diesem Monat? Und wie viel Zeit haben Sie anschliessend damit verbracht, nach einem Parkplatz Ausschau zu halten?

Wie viel von Ihrer wertvollen Zeit geht dadurch verloren, dass Sie ein Transportmittel wählen, welches für kurze Strecken überhaupt nicht geeignet ist?

Natürlich kann man auch auf den Zug, den Bus und demnächt auch auf die Strassenbahn umsteigen. Wenigstens sind sie bis zur nächsten Haltestellen gelaufen. Ist ja schon mal was.

Doch was wäre, wenn Sie Ihrer Mobilität einen weiteren Kick geben könnten? Und dabei mit einem Schlag auch noch etwas für Ihre Gesundheit und die Umwelt tun?

Ich gebe es gerne zu: ich brauchte dafür auch etwas Zeit. Es war mein Mann, der mir gezeigt hat, wie einfach es sein kann. Er scheint mit einem Fahrrad geboren worden zu sein. Für ihn ist es die normalste Sache der Welt, alle seine Termine um seinen Arbeitsplatz herum mit dem Fahrrad zu erreichen. Nur für die grösseren Distanzen muss das Auto herhalten (man will ja schliesslich auch nicht total verschwitzt im Kundentermin auftauchen). Ich war damals immer noch mit dem Auto unterwegs und habe ständig geflucht und ich unbändig darüber geärgert, dass er immer 10-30 Minuten vor mir da war. Ich kam total genervt und gehetzt an und er hatte in der Zeit schon gemütlich seine Zeitung gelesen und dabei entspannt.

Natürlich verfüge ich über ein Rennrad und ein Mountainbike … diese nutze ich für meine sportlichen Aktivitäten aber nicht um mich – in normaler Strassenkleidung – von A nach B zu bewegen. Kleinere Einkäufe, Kino, Theater, Konzerte, Wochemarkt … all das konnte ich mir nicht in Fahrradschuhen und ohne „Körbchen“ vorstellen … Ja ja, manchmal bin ich wohl doch eine Tussi. 🙂

Man muss ich aber nicht, so wie ich, ein funkelneues Citybike kaufen. Ich hatte nun mal nichts in der Art im Keller oder auf dem Speicher stehen. In vielen Städten, so auch hier in Luxemburg Stadt gibt’s ja auch schon seit einigen Jahren dieses Vél(oh) Programm. Man sieht immer mehr Leute auf diesen netten blauen Drahteseln durch die Stadt huschen. Ich habe mich halt – meiner Art entsprechend – für die „Ganz oder Gar Nicht“ Variante entschieden und bewege mich für kurze Distanzen nur noch mit meinem Citybike und zwar von zu Hause aus bis an mein Ziel und wieder zurück. Und deshalb habe ich mir mit einer schicken Tussi Version eine Freude bereitet. So kann ich damit sogar ins Theater oder Restaurant und dort – an Ort und Stelle – meine schönen „Ausgeh-Schuhe“ anziehen. So, damit wären nun hoffentlich wirklich alle Cliché’s bedient :-).

Für alle, die als zusätzlichen Motivationschub einige Argumente auf einen Blick haben wollen, bitteschön:

  1. Sie stehen nicht mehr im Stau!
  2. Sie müssen nicht mehr Ewigkeiten nach einem Parkplatz suchen und dafür auch noch bezahlen!
  3. Sie riskieren kein Knöllchen mehr wegen Falschparken, da es eh immer mehr Autos als Parkplätze gibt.
  4. Es gibt keinen Stress mehr wegen fixen oder mobilen Radarfallen! Falls es Sie doch mal erwischt, können Sie sich getrost bei der Tour de France anmelden.
  5. Sie bekommen regelmässige Bewegung, die weder monoton noch zu anstrengend ist. Eine kleine Herausforderung zwischendurch (Steigung) fördert allerdings Ihren Stoffwechsel (Kampf oder Flucht)
  6. Je vielzähliger wir werden, desto weniger Abgase und Lärm werden wir haben!
  7. Sie kreuzen lauter nette Leute die Sie freundlich begrüssen (besonders die anderen Radfahrer, bei den Autofahrern gibt’s noch etwas Lernbedarf in Sachen Toleranz und Höflichkeit.)

Also: Allez-hop: lassen Sie sich begeistern für dieses Lebensgefühl und entmotten Sie Ihren Drahtesel. Sie werden sehen: es macht richtig Spass!

Vom „Auto im City-Stau“ zum Citybike! Erleben Sie Freiheit pur!

Sportliche Grüsse,

Nathalie