Printemps

Der zauberhafte Frühling …

April! Endlich!! Die schöne Saison kommt mit grossen Schritten auf uns zu: der Frühling, mit seiner ganzen Pracht! Mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen, dem fröhlichen Zwitschern der Vögel, dem Anblick bunter Frühlingsblumen liefern uns auch unsere Gärten wieder neue Impulse. Welche Saison berührt dermassen unsere 5 Sinne wie der Frühling es tut? Unsere Gaumen entdecken ihn wieder: den Geschmack der Frühlingsgemüse und -obstsorten, nach einem langen Winter mit Lageräpfeln, Kartoffeln, Karotten und verschiedenen Kohlsorten.

Eigentlich …

… denn für wie viele unter uns ist es selbstverständlich geworden, zu jeder Jahreszeit und bei egal welchem Wetter Erdbeeren oder exotische Früchte zu konsumieren? Fast alle Frucht und Gemüsesorten sind den ganzen Winter über erhältlich. Dabei wachsen viele davon noch nicht einmal im Sommer in unseren Breitengraden! Ich sollte mich längst an den Anblick gewöhnt haben, aber es schüttelt mich immer noch, wenn ich Leute dabei beobachten muss, wie sie munter Erdbeerjoghurt oder Früchtemilkshakes konsumieren, ohne sich dabei Gedanken zu machen, wo die Zutaten herkommen und zu welchem Preis sie geniessbar gemacht wurden. Und am besten noch steif und fest behaupten, dass sie etwas für ihre Gesundheit tun! Also, ich weiss, Sie lesen das hier nicht zum ersten Mal, aber es ist so wichtig, dass es immer wieder wiederholt werden sollte: es gibt eine Erdbeeren im Winter! Und auch keine Kirschen oder sonstiges Obst. Zumindest nicht hier in Luxemburg (ausser Lageräpfel). Wenn sie also nicht im grossen Stil eingefroren oder gedörrt wurden (eher unwahrscheinlich weil in der Masse zu teuer), dann sind sie von weit her importiert. Dafür werden sie zu früh (also unreif) gepflückt, so dass sie weder ihr volles Aroma noch ihre anderen Eigenschaften (Vitamine, Mineralien) entwickeln konnten. Konsequenz, um diese Misère zu vertuschen: diese scheinbar gesunden Produkte mit den schönen Bildern auf der Verpackung sind in Wirklichkeit eine gut kaschierte chemische Bombe, mit Aromen, Geschmacksverstärkern, Farbe und natürlich: immer zugesetztem Zucker. Wegen dem Geschmack und der Suchtfalle.

Ist unser Wohlstand damit nicht eigentlich eine grosse Armut?  

Wir verzichten auf eine der schönsten Freuden die es gibt: die Vorfreude. Wir können nicht mehr warten, wollen sofortigen Genuss, ohne Verzicht, um jeden Preis. Und dieser Preis ist hoch: er kostet uns die freudige Spannung und Belohnung fürs Warten und das Ganze auch noch für minderwertige aber ganzjährig verfügbare Qualität. Unsere Gesundheit profitiert davon sicher nicht!

Was, wenn wir uns beim Einkaufen – bevor wir etwas ins Einkaufskörbchen legen – stets die Frage stellen welchen Preis wir eigentlich bezahlen? Und damit meine ich keine EURO! Nein, ich denke an Geschmack, Genuss und Gesundheit. Alleine schon die Reise, die eine Frucht oder trendiges Importgemüse, bewältigen muss – und der ganze CO2 Aufwand sollte einen Gedanken wert sein. Ist damit nicht schon eine Bio Orange oder Bio Kiwi eigentlich kein BIO mehr???  Mal ganz ehrlich! Was haben, ganz genau, BIO Kiwis hier in Luxemburger Bio Läden zu suchen? Diese Frucht wächst hier nicht! Auch nicht im Sommer! Warum geniessen wir diese Früchte nicht einfach dort, wo sie wachsen, also im Urlaub zum Beispiel? Und entdecken damit andere Kulturen, Länder, Gegenden und kulinarische Highlights. Ich bin mir ganz sicher dass eine Kiwi in Australien anders schmeckt als die, die wir hier kaufen!

Die Alternative ist wesentlich intelligenter und genussvoller!

Geniessen Sie einfach mal Ihr Obst und Gemüse wenn es hier in der Gegend reif gepflückt werden kann. Lernen Sie wieder, sich zu freuen. Auf die Erdbeeren im Mai und die Kirschen im Juni. Die Natur hat sich schon etwas dabei gedacht und Ihre Gesundheit wird es Ihnen danken, wenn Sie sich wieder auf „Ihre“ Natur einlassen. Ich kenne sie noch, die Vorfreude auf Erdbeeren nach einem (viel zu) langem Winter. Ich esse sie nicht, die Früchte die jetzt schon in den Regalen zu sehen sind: sie sind zu teuer, geschmacklos, unter fragwürdigen Umständen gezüchtet und verderben mir die Vorfreude auf das echte Produkt.

Ich will mich einfach nur auf etwas freuen können! 

Reiner Genuss, ohne schlechtes Gewissen. 

Geniessen sie die Vorfreude: jede Saison hat was zu bieten. Auch geschmacklich. Die Natur liefert uns so eine schöne Abwechslung, machen wir uns das nicht kaputt! Man kann dieser abstumpfenden Routine, in der uns jeden Tag alles gleichermassen zur Verfügung steht viel einfacher herauskommen, als man glaubt: indem man schon mal verzichtet auf Produkte in Dosen, Kartons oder Plastik in denen praktisch immer mit Chemie gearbeitet wird, um die Misère zu verschleiern. Und indem man nur das isst, was die Natur gerade zu bieten hat, denn dann hat es auch den grössten Einfluss auf unsere Gesundheit.

In den Monaten März/April bekommen wir wieder: Feldsalat, Löwenzahn, Sauerampfer, Petersilie, frischen Lauch, Champignons, Grünkohl, Rhabarber, Spargel. Landwirte, die über Zähren verfügen, können uns nun schon mit frischem Salat, Gurken, Kohlrabi, Mangold und Radieschen verwöhnen.

Und falls Sie dazu Lust haben: diese Monate sind der ideale Zeitpunkt um zum Besipiel selbst Tomaten, Paprikaschoten und Schnittlauch selbst zu säen. Erst auf der warmen Fensterbank drinnen und später, wenn die Pflanzen stark genug sind und es nachts nicht mehr friert, in den Garten oder in ein praktisches Hochbeet auf dem Balkon zu stellen.

Kennen Sie hierzulande den „grénge Kuerf?

Auf dem Wochenmarkt kann man sich kaum satt sehen. Es ist ein ganz anderes Einkaufsgefühl als der „Bummel“ durch einen grellen, überfüllten, hektischen Supermarkt. Aber auch hier kann man sich schnell täuschen: es gibt eine Vielzahl an Obst- und Gemüseständen, wo das Angebot praktisch identisch ist mit dem aus dem Supermarkt: importierte Ware, Erdbeeren im Februar, Kiwis und Orangen und noch grössere Exoten von weit her. Die Qualität ist dieselbe wie die, die Sie aus den Supermärkten kennen. Hochglanzfrüchte, alle identisch, viel zu bunt und viel zu süss (Zucht). Auf dem Wochenmarkt tappt man schnell, wegen der schönen Atmosphäre schnell in eine Falle.

Für all jene, die sich angesichts dieser Flut an Stolpersteinen verloren fühlen und es an Zeit, Lust und Erfahrung fehlt, das alles wieder zu „erlernen“: es gibt eine schöne soziale Cooperative hier in Luxemburg:  „Co-labor„.  So habe ich – vor Jahren – wieder angefangen: jede Woche erhalten Sie dort einen Korb mit frischem Gemüse und/oder Obst und/oder Bio-Eiern aus der Region. Sie wissen nicht im Voraus, was Sie bekommen. Sie wissen nur, dass alles BIO, lokal und saisonal ist. Ansonsten ist jede Woche eine Überraschung. Sie bekommen das, was gerade in den Biogärten im Land oder der Grossregion gewachsen ist und frisch gepflückt wurde. Und dann geht’s los! Es ist eine wundervolle Möglichkeit, sich überraschen zu lassen. Man entdeckt Gemüsesorten, die längst in Vergessenheit geraten sind. Anfangs musste ich mehr als nur einmal meine Oma anrufen um sie zu fragen was dies und jenes denn überhaupt ist und was man damit anfangen kann. Bei besonders ausgefallenen oder „alten“ Gemüsesorten liegen aber manchmal Rezeptideen mit im Korb! So habe ich wieder Freude am Kochen entwickelt und schaffe stets neue, interessante Rezepte. Man lernt, mit dem zu kochen, was man hat und dabei kommen wundervolle, gesunde und hochwertige Gerichte zustande. Lassen Sie ihrer Phantasie freien Lauf, Sie können mehr mit dem anfangen was die Natur gerade bietet, als Sie möglicherweise denken!

Auf dem Wochenmarkt: wenden Sie sich an gute Bio-gärtnereien und bevorzugen Sie lokale, saisonale und BIO Produkte. Der Händler muss in der Lage sein, auf alle Ihre Fragen zu antworten: wo kommt das Produkt her, wie wurde es behandelt, wann wurde es gepflückt, wie kann man es zubereiten … Es gibt viele Fragen und mein schönstes Einkaufserlebnis habe ich persönlich immer mit  Frau Sylvie Clees aus SteinselSie und ihre Familie betreiben einen Bio-hof genau so wie man ihn sich vorstellt. Auf ihrem Stand gibt es nichts, was sie nicht kennt, möglichst selbst gesät, gepflegt und gepflückt und für den Markt gesäubert hat. Und sie kennt auch die Produkte, die sie von anderen Höfen bezieht. Ihre Leidenschaft für BIO ist spürbar und nach einem Plausch mit Frau Clees wissen Sie auch um die unterschiedlichen Bio-Standards und worauf Sie wirklich achten sollten. Es ist eine wahre Freude, bei solchen Marktleuten einzukaufen, man lernt enorm wiel dazu. Suchen Sie sich solche Stände aus und dann wird alles ganz einfach.

Ach ja, in diesem Artikel viel zitiert: die Erdbeeren kommen erst im Mai … nicht jetzt im April. Finger weg also, von den Erdbeeren die Sie jetzt schon finden, sie haben nicht ansatzweise etwas mit dem Geschmack zu tun, der Sie erwartet, wenn sie auf die „echten“ Beeren warten.

Und was ist denn nun mit den heiss geliebten Fruchtjoghurts? Nun, das beste und gesündeste Rezept ist immer der Naturjoghurt (vollfett!). Diesen können Sie selbst mit aktuell verfügbaren Früchten anreichern. Wenn man im Sommer dran gedacht hat, sich frisches Obst einzufrieren oder im Dörrgerät zu trocknen: Wunderbar! Dann können Sie Ihren Gaumen auch in den Wintermonaten mit Sommerfrüchten verwöhnen. Ansonsten kann man sich auch mit Vanille, Kokosraspel, Nüssen (am besten Macadamia) oder einem Kaffeelöffel Expresso zu mehr Abwechslung beim Genuss helfen. Dabei sollte allerdings auch nicht vergessen werden, dass die letztgenannten Dinge auch importiert sind (CO2). Ihr Gewissen entscheidet, wie oft solche Zutaten den Weg auf Ihren Teller finden. Zumindest sind es keine Zutaten, die unter suboptimalen Umständen grossgezogen, unreif gepflückt wurden und damit viele ihrer gesuchten Attribute nicht mehr bieten.

Herzlichst,

Eure Nathalie