Irrtümer, Schwindel und Mythen: Die grössten Lügen der Lebensmittelindustrie

Herzlich Willkommen bei meinem ersten Artikel der Serie « Irrtümer, Schwindel und Mythen: Die grössten Lügen der Lebensmittelindustrie ». Hier schreibe ich über:

Die Denkfehler, die – wenngleich längst widerlegt – auch noch heute als Grundlage für offiziell anerkannte Ernährungsempfehlungen dienen. 

Die Lügen der Industrie und der Politik, die uns krank, schwach und dick machen.

Welche Mythen hartnäckig aufrechterhalten werden, um wirtschaftlichen Interessen gerecht zu werden.

Weltweit übersteigt die Zahl der übergewichtigen Menschen jene der Unterwichtigen. Die Statistiken im Zusammenhang mit den Krankheiten Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Herzkreislaufbeschwerden, Übergewicht (alle 4 zusammen = metabolisches Syndrom), aber auch chronischer Entzündung, bestimmten Krebsarten, Allergien, Autoimmunkrankheiten sowie psychischen Störungen sind alarmierend. Unsere Gesellschaft wird zwar älter, aber nicht gesünder. Dass diese so genannten Zivilisationskrankheiten auch im Zusammenhang mit unserer Ernährungsweise zu sehen ist, insbesondere der starken Gewichtung der industriellen Nahrung ist unlängst gewusst.

Gegen das allgemeine Unwohlsein in unserer „fortgeschrittenen“ Gesellschaft gibt es praktischerweise stets die dazu passenden Gegenmittel: Der Markt für Wellnessartikel, Light- oder Vollkornprodukte, Wundermittel aus der Apotheke, Fitnessstudios usw. boomt. Magersüchtige Models auf den Titelseiten der Hochglanzmagazine verstärken den Wunsch nach ewiger Gesundheit, Jugend und Schönheit. Die Kluft zwischen dem vermeintlichen Ideal und der Realität wird dabei stets grösser.

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Und so geht ein Industriezweig in den anderen über: die einen verkaufen Illusionen, andere wiederum ein Problem und dann kommen die vermeintlichen Retter: die, die mit der augenscheinlichen Lösung ebenfalls Geld verdienen möchten. Täglich flimmern Werbespots über den Fernsehbildschirm, wo uns suggeriert wird, dass Pillen das in der Ernährung zugenommene Fett binden und so dafür sorgen können, dass das Fett nicht in den Körper gelangt. Das grenzt – wie Sie gleich lesen werden – schon fast an Körperverletzung. Das meist verkaufte und ertragreichstes Medikament der Welt ist übrigens ein cholesterinsenkendes Mittel, welches – das werden wir demnächst auch aufdecken – in den allermeisten Fällen überhaupt nicht notwendig ist! Egal was uns auf der Basis eines schier unendlichen Ideenreichtums angepriesen wird: das Problem wird nicht behoben, es verschlimmert sich!

„Wenn Millionen von Menschen eine Dummheit behaupten wird sie deswegen noch lange nicht zur Wahrheit“  Coluche

Das Problem wird immer größer. Warum also nicht einfach einen Schritt zurückgehen, dahin wo alles angefangen hat, und die Weichen anders stellen? Alles, was man dafür benötigt, ist der Mut, bestehende Glaubenssätze in Frage zu stellen.

1.Mythos : Fett macht fett

Fett hat in der Tat eine größere Kaloriendichte als die anderen Makronährstoffe: Kohlenhydrate und Eiweiße. Daraus aber zu schließen, dass man Fette pauschal aus der Ernährung reduzieren, geschweige denn eliminieren muss, um abzunehmen ist ein fataler Fehler. Denn:

Ernährung ist keine Mathematik, sondern Biochemie !

Gesunde Fette machen schlank, ungesunde Fette machen krank. 

Der menschliche Organismus ist darauf ausgelegt, Fette zur Energiegewinnung zu verbrennen und nicht – wie es auch heute noch hartnäckig behauptet wird – Kohlenhydrate. Um Fette verbrennen zu können, muss man dem Körper auch solche zuführen. Zudem verfügen gesunde Fette über wertvolle Eigenschaften: erstens sind sie der Geschmacksträger unserer Lebensmittel. Zweitens liefern sie Energie ohne den Insulinspiegel zu beeinflussen. Zudem sind sie wichtig für die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine!(A,D, E und K).

Und was tun wir?

Wir verdammen das Fett und konsumieren anstelle Kohlenhydrate in Form von Stärke und Zucker. Insbesondere die gesättigten Fette werden seit einigen Jahrzehnten als Schuldige für Herzkreislaufkrankheiten verteufelt, dabei sind gerade diese Fettquellen besonders gesund.

Der Urheber dieses kolossalen Irrtums heisst Ancel Keys (1904-2004). In den 50er Jahren hat dieser amerikanische „Ernährungswissenschaftler“ auf Grund der berühmten 7-Länderstudie „herausgefunden“ dass Fette (pauschal!) ursächlich sind für Herzkreislauferkrankungen und Übergewicht. Auf dieser Aussage hat er die allgemeine Empfehlung herausgegeben, vornehmlich gesättigte Fette aus der Ernährung zu streichen und durch Pflanzenfette zu ersetzen.

Seine Studie wies allerdings – das ist längst bekannt – gravierende Mängel und somit fatale Fehler auf. Herr Keys hat sie kurz vor seinem Tod selbst eingestanden und Zweifel an seiner eigenen Studie geäussert, doch da war es längst zu spät. Zum einen war da die Auswahl der Länder, wo er sich auf jene beschränkte, die seine Theorie bestätigten und jene wegliess, die seine Theorie widerlegten. Hinzu kommt, dass sich die Stichproben auf einen viel zu kleinen Teil der Bevölkerung bezogen. Und schliesslich vernachlässigte er auch noch weitere Faktoren, welche – wie wir heute wissen – die eigentlichen Risikofaktoren für die genannten Krankheiten sind: Tabakkonsum, Stress, Zucker- und Stärkekonsum, zu viel oder zu wenig Bewegung, schlechte Schlafgewohnheiten…

Da Herr Keys damals aber über hervorragende Kontakte verfügte baute sich, nach anfänglicher Skepsis und Widerstand, ein ganzer Industriezweig auf seiner Theorie auf: der der pflanzlichen, ungesättigten Fette, Öle und Margarinen. Auf diesen Fetten, oft auch die besonders gefährlichen Transfette, basieren auch heute noch ein Grossteil der industriell zubereiteten Lebensmittel.

Butter, Schmalz und sonstige gesättigte Fette, seien sie tierisch oder pflanzlich, wurden zu Gunsten dieser neuen Generation von Fetten als krank und dickmachend verteufelt. Auch wenn die Wahrheit längst bekannt ist, wird hartnäckig an dieser Theorie festgehalten. Auch heute noch werden uns Pflanzenöle pauschal als gesund verkauft, wobei es aber dort erhebliche Unterschiede gibt. So ist Olivenöl dank der darin enthaltenen Omega-9 Säuren und einem aktzeptablen Omega 3-9 Verhältnis nicht vergleichbar mit Sonnenblumen oder gar Distelöl. Doch fast sämtliche Pflanzenöle mit einigen wenigen gesunden Ausnahmen werden auf Grund aufwändiger chemischer Prozesse hergestellt. Heute werden uns  immer noch gerade diese Fette als die gesunde Alternative zu Butter, Schmalz und Speck verkauft und dabei sind es gerade diese Fette – insbesondere die chemisch besonders veränderten Transfette – die gerade jene Krankheiten verursachen, gegen die sie uns vermeintlich schützen sollen. 

Die natürlich verfügbaren Fette, die uns über Millionen von Jahren zu dem gemacht haben, was wir vor 10.000. Jahren waren: kraftvoll, flink und robust, wurden auf einmal pauschal verurteilt. Dieser kolossale Denkfehler führte zu einem Milliardengeschäft das bis heute andauert. Es gibt kaum einen Zweig in der Nahrungsmittelindustrie, welcher nicht auf die wesentlich billigeren, chemisch zubereiteten Pflanzenöle zurückgreift, um seine Produkte herzustellen. Anlässlich dieser Milliarden und Abermilliarden die auf dem Spiel stehen, scheint der Weg zurück unmöglich.

Und so wird nun eben an den Symptomen geschraubt und weitere Produkte erfunden, die die Probleme unseres vermeintlich zu fetthaltigen Essens beheben sollen. Das Paradoxe daran ist: die Probleme, würden wir die gesunden Fette konsumieren, würden überhaupt nicht existieren!

Fett wird nun also pauschal als Problem angesehen, was – und gerade das ist daran so pervers – sogar stimmt, da wir vornehmlich die falschen Fette konsumieren und die guten Fette verteufeln. Damit nicht genug: Die hysterische Reduzierung der Nahrungsfette führte zur Erfindung der so genannten „Light“ Produkte, mit reduziertem Fettanteil. Das was fehlt, wird durch Wasser und … Sie ahnen es: Zucker ersetzt, damit das Ganze wenigstens noch ein bisschen Geschmack hat. Den Rest der Geschmack“losigkeit“ im wahrsten Sinne des Wortes, erledigt die Chemie.

Und somit findet der Zucker seinen Weg in praktisch alle Lebensmittel, sogar dahin, wo wir es gar nicht erwarten würden. Zucker hat aber eine andere Wirkung auf den Organismus als Fett. Dieser ist nicht darauf ausgelegt, so viel Zucker zu erhalten. Der Körper identifiziert die Zuckerflut als toxisch und schüttet somit massiv Insulin aus, um das Gift zu eliminieren. Natürlich ziehen wir daraus Energie, aber das ginge auch auf einfachere Art. Auf die Jahre gesehen führt dieser ständige Insulinschub dazu, dass man insulinresistent wird. Das ist allgemein bekannt als eine Vorstufe der Krankheit Diabetes Typ 2.

Wir werden immer hungriger, essen immer mehr und öfter. Je mehr Zucker man konsumiert, desto öfter möchte man Nachschub – das ist ein weiterer Nebeneffekt der konstanten Insulinausschüttung.

Was für die Industrie besonders praktisch ist: dadurch durch dieses immr wiederkehrende Hungergefühl, essen wir öfter und am Ende des Tages sogar mehr! Eine fetthaltige Nahrung liefert – auf eine Mahlzeit gesehen – zwar wesentlich mehr Kalorien auf einmal. Allerdings, da es die richtigen Kalorien sind, kann der Körper damit etwas anfangen und dadurch essen wir in Summe weniger, auch wenn wir fettiger essen.

Worauf es bei den Fetten wirklich ankommt

Das Verhältis der Fettsäuren Omega 3 (entzündungshemmend) und Omega 6 (entzündungsfördernd) spielt eine wesentliche Rolle bei allen Fetten. Allgemein wird angenommen, dass wir vor der Einführung der Landwirtschaft ein Verhältnis von 2:1 konsumierten und heute wird allgemein ein Verhältnis bis zu 6:1 als akzeptabel erachtet. Konsumieren wir allerdings das, was uns billig und schnell zur Verfügung gestellt wird, meistens durch industrialisierte Lebensmittel, liegen wir heute bei 25:1! DAS, werte Leser, ist ungesund!

Und wer meint, nun, dann greife ich halt wieder zu Speck, Eiern, Butter und Schmalz der sollte wissen: wenn die Tiere nicht artgerecht ernährt wurden (also Getreide anstelle von Gräsern, Mais anstelle von Würmern, denn Hühner sind keine Vegetarier!) blüht uns dasselbe: die Tiere sind auf dieselbe Art krank  wie wir, wenn wir zu viel Getreide essen. Ihr Fett liefert dann ebenfalls das falsche Verhältnis und meist viel zu viel Omega 6. Wenn Sie also nicht sicher sind, dass die Tiere aus artgerechter Haltung stammen, sollten Sie auf deren Fett verzichten, denn gerade dort lauern dann leider auch die Gefahren!

Achten Sie also unbedingt auf die Herkunft Ihrer tierischen Energielieferanten. Das gilt übrigens auch für die wertvollen fettreichen Fische. Eier von falsch ernährten Hühnern (Maishühner sind gerade voll der Trend!) bringen sie Ihnen nicht die positiven Eigenschaften, die Sie bei Bioeiern vorfinden.  

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Vermeiden Sie Margarine, besonders jene die den Cholesterinspiegel senken sollen, Transfette und die meisten Pflanzenöle. Olivenöl, Walnussöl, Avocadoöl, Leinöl sind aber die guten Varianten. Bei den Ölen sollten Sie allerdings darauf achten, sie kühl und dunkel zu lagern, da sie schnell ranzig – und damit wiederum ungesund werden.

Gesunde Fette haben keinen Einfluss auf den Insulinspiegel, ein Hormon welches für die Fetteinlagerung im Körper zuständig ist. Im Gegenteil: Fette leiten einge Menge Prozesse im Körper ein, die beim Gewichtsverlust eine Rolle spielen. Der Körper kann Fette besser in Energie umwandeln. Er hat es nur  – auf Grund der Zuckerflut der letzten Jahrzehnte – vergessen. Rechnen Sie beim Zucker und Getreideverzicht also mit Entzugserscheinungen. Diese werden in der Regel nach 21 Tagen verschwinden. Und dann kommen die Energie und der Gewichtsverlust ohne Hunger zu leiden.

Natürlich ist all dies nicht erfunden. Diese Erkenntnisse basierent auf wissenschaftlichen Studien welche insbesondere in folgenden Büchern hervorragend erläutert sind:

Tous gros demain? Auteur: Pierre Weill

Mangez, on s’occupe du reste. Auteur: Pierre Weill

Menschenstopfleber. Auteur: Dr Nicolai Worm

Syndrom X oder: ein Mammut auf den Teller. Auteur: Dr. Nicolai Worm

Fit mit Fett. Auteur: Dr. Ulrich Strunz

Fett Guide: un petit répertoire qui vous éclaircit, de manière simple sur les bonnes et mauvaises graisses. Idéal pour votre sac à main

Der nächste Artikel der 10 Lügen der Industrie behandelt das Getreide. Sind Körner wirklich gesund und hilfreich beim Abnehmen?


2 Kommentare zu “Irrtümer, Schwindel und Mythen: Die grössten Lügen der Lebensmittelindustrie
  1. Sonja LEHMANN sagt:

    En formation de Naturopathie dont la nutrition, j’ai appris que le rapport oméga 3 / oméga 6 idéal est de 1 à 6. En outre il y a nombre d’huiles végétales intéressants, car riche en oméga 3, notamment l’huile de caméline, de chanvre, de noix et dans une moindre mesure l’huile de Colza qui peut constituer un choix économique pour les personnes les moins argentés. Et n’oublions pas l’oméga 9 dans de l’huile de tournesol par exemple non plus. Je crois que c’est important de diversifier. Dommage que vous n’ayez pas donné le conseil suprême de toujours acheter de l’huile 1ère pression à froid pour éviter les graisses trans. Êtes-vous de mon avis ?
    Sonja Lehmann

    • Bonjour Sonja et tout d’abord: MERCI pour votre commentaire enrichissant et constructif! Félicitations d’ailleurs, à avoir été la première personne ayant contribué à la vivacité de mon blog … tout frais encore!
      Pour répondre à votre question: un GRAND OUI pour l’huile de caméline (1:2), chanvre (3:1) et Colza (2:1) avec des rapports O-6/O-3 qui sont bons. Les huiles de noix, hm … la grande noix oui avec un rapport de 1:6 oui, ça va encore… mais la noisette avec 1:111 serait plutôt à éviter. En ce qui concerne l’huile de tournesol: un grand NON. Le rapport O-3/O-6 est de 128:1! Aucune présence de O-9 ne justifie ce rapport; si on est à la recherche (justifiée d’ailleurs) de O-9, je préfère l’huile d’Olive et OUI, bien sûr pressé à froid! Un sujet que j’aurai, en effet, pu rajouter pour compléter la chose. Comme mentionné avant, je suis dans mes premiers articles et si j’écrivais sur tout ce que j’ai dans ma tête – tout de suite – je n’aurai jamais trouvé un début :-). En ce qui concerne la diversification: Je travaille, comme profession principale – la nutrition étant une 2e voie – dans le secteur de la finance donc OUI: la diversification est le moyen le plus efficace pour réduire le risque. Et ce pour la simple raison qu’on ne peut, dans ce domaine, pas anticiper l’évolution future des investissements. Or, avec les huiles végétales, on connait les rapports dès le départ et vu le nombre de choses que nous mangeons parfois sans pouvoir les influencer, je préfère être stricte là où je peux prendre les choses en main. En moyenne je consommerai toujours des rapports O3-O6 plus élevés par rapport à ce que je mange à la maison. Et la diversification au niveau du goût …. je ne sais pas si j’ai besoin du goût de l’huile de tournesol. Il ne faut pas oublier, avec toutes les huiles végétales qu’en plus, elles rancissent très rapidement. En règle générale on devrait les conserver au frigo, dans des bouteilles foncées …. etc et là, je me demande, si on ne va pas trop exiger des gens qui se sont habitués aux facilités qu’offre la vie moderne …. A creuser…. Merci encore!

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